Archiv Presseartikel


 Der Bericht von den
 Humortagen 2008 in Thun

 Von Roger Thiriet

V.l.: Pello, Beatrice Massart (Stiftung Humor & Gesundheit), Beat Hänni, Rosmarie Krüttli (Huusglön) und Enrico Luisoni (www.humor.ch).

HumorCare macht Thuner Humortage zum Erfolg!

«Humor - die 4. Säule der Berufsvorsorge» war das Generalthema der 2. Thuner Humortage «T(h)un Sie lachen!" vom 4. und 5. April 2008 im dortigen Hotel Freienhof. Unter dem Präsidium von Thun-Stadtpräsident Dr. h.c. Hans-Ueli von Allmen stellte HumorCare das Patronatskomitee mit Dr. Peter Hain, Psychotherapeut und Präsident HumorCare, Dr. des. Iren Bischofberger, Pflegewissenschafterin, Präsidentin der Stiftung Humor & Gesundheit und Marcel Briand, dipl. Pflegefachmann und Begegnungs-Clown. Auch die Programmkonzeption und -verantwortung lag massgeblich in den Händen der Humor in Therapie, Pflege und Beratung. Den Löwenanteil der Programmierung leistete namentlich Vorstandsmitglied Beat Hänni, engagiert und wirkungsvoll unterstützt von Gestalter und Webdesigner Enrico Luisoni von u.a. www.humor.ch.

Gegen 180 zahlende Teilnehmende und Gäste folgten dem vielseitigen Programm des ersten Kongresstags. Die einleitenden Referate hielten Marcel Briand («Vom Hofnarr zum Begegnungsclown»), der Humorforscher und Professor für Psychologie an der Universität Zürich Dr. Willibald Ruch («Humor und Stress»), Alters- und Pflegeheim-Leiter Thomas Wernli («Humor in der Betriebskultur») und Dr. Peter Hain («Humor als tägliche Herausforderung») vor vollbesetzten Rängen im Auditorium des Seminarzentrums Freienhof. Der Nachmittag gehörte dann verschiedenen ebenfalls durchwegs ausgebuchten einstündigen Workshops mit Pello, Beat Hänni, Rosmarie Krüttli und Monica Hary, Francesco Muzio, Martina Houben und Willibald Ruch, bevor eine Podiumsdiskussion zum Thema «Wieviel Wissenschaft erträgt der Humor oder Wieviel Theorie braucht das Lachen?» unter der Leitung des Medienschaffenden Roger Thiriet nochmals Iren Bischofberger, Rosmarie Krüttli, Francesco Muzio und Willibald Ruch auf der Bühne vereinte. Die Zeit vor und nach den Mahlzeiten gehörten auch den gut dotierten Ständen verschiedener Vereine, Gruppierungen und kommerziellen Anbietern; auch die Stiftung Humor & Gesundheit war mit einem von Beatrice Massart betreuten Standtisch mit vielfältigen Humorangeboten präsent. Der Abend gehörte der grossen Entertainerin, Sängerin und Komponistin Dodo Hug.

Einige Dutzend Seminarteilnehmer vertieften das Tagungsthema am Samstag, 5. April zusätzlich in drei ganztägigen Seminaren. Humortrainer Hans-Georg Lauer instruierte und beleuchtete «Spiele für viele und vielerorts - auch bei der Arbeit»; Marcel Briand studierte mit seinen Teilnehmenden «Humorvolle Interaktionen im Pflegebereich» und die Humorforscherinnen Heidi Stolz und Sandra gaben ihre «Erfahrungen mit dem 8-Stufen-Programm zur Entwicklung des Humors mit praktischen Übungen» weiter.

«T(h)un Sie lachen» war auch in der zweiten Auflage ein voller Erfolg. Im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen ähnlichen Zuschnitts gewannen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Referaten und Workshops den bestimmten Eindruck, dass sich die Humorforschung und -wissenschaft bewegt und in den letzten Monaten und Jahren spür- und dokumentierbare Fortschritte gemacht hat. In seinem Schlusswort versprach Patronatskomitee-Präsident Hans-Ueli von Allmen denn auch, dass der zweiten Auflage der Humortagung im Jahre 2009 eine dritte folgen soll.

Podiumsdiskussion. V.l.: Prof. Dr. Willibald Ruch (Humorforscher, ETH Zürich), Dr. des. Iren Bischofberger (Pflegewissenschafterin, Präsidentin der Stiftung Humor & Gesundheit), Francesco Muzio, Rosmarie Krüttli und der Moderator Roger Thiriet.

Internationaler Humorkongress
Bad Zurzach, Schweiz:

«Humor gewinnt»

22.-24. September 2006


Presseberichte zum Humorkongress in Bad Zurzach.

© Mittelland Zeitung; 23.09.2006 Tabloid Zurzach

1. Tag

Auftakt mit herzhaften Lachern

Bad Zurzach
Internationaler Humorkongress hat begonnen - «Humor gewinnt» lautet bis Sonntag der Leitsatz.
Frank Reiser


Welches ist der beste Einstieg in einen Humorkongress? Ein herzhaftes Lachen natürlich. In Bad Zurzach ist gestern Morgen herzhaft gelacht worden, als Beat Haenni mit dem Vorspiel die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den internationalen Kongress einstimmte. Humor tut der Seele und der Gesundheit gut. Auch Bad Zurzach tut den Menschen mit seinem Thermalwasser gut und ist daher der beste Ort für die Durchführung eines internationalen Humorkongresses. Dieser ist gestern Abend offiziell eröffnet worden. Gleichwohl stand der Kurort schon während des ganzen Freitags im Zeichen des Humors. Die Vereinigungen und Mitglieder von Humorcare aus Deutschland, Österreich und der Schweiz trafen sich zum Erfahrungsaustausch. Davor hatten die Organisatoren aber das so genannte Vorspiel mit Beat Haenni gesetzt. Es war seine Aufgabe, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die bevorstehenden Veranstaltungen einzustimmen. Haenni tat dies auf eine geschickte Art, die natürlich höchst interaktiv war. So musste man seinem Sitznachbarn mit dem Daumen im Mund oder mit zugehaltener Nase ein lustiges Episödchen erzählen. Die Folge: Bereits um 9.30 Uhr morgens waren im Propsteisaal viele fröhliche Menschen zu sehen und war lautes Lachen zu hören. Zudem zeigte sich, dass Lachen tatsächlich überaus ansteckend ist. Nichtlacher waren nicht auszumachen. Besser kann ein Tag gar nicht beginnen, und es war ein idealer Einstieg in den Kongress. Ein Kongress mithin, der einen ernsten Hintergrund hat. Bis Sonntag wird es in den verschiedenen Symposien und Vorträgen um die professionelle Anwendung von Lachen und Humor im sozialen, pädagogischen sowie klinisch-therapeutischen Bereich gehen. «Inzwischen wird der therapeutische Humor nicht mehr sanft belächelt, sondern fliesst in verschiedenen Varianten in die Spitäler, Alters- und Pflegeheime, ambulanten Praxen, aber auch in die Schule und ins Management ein», schreibt OK-Präsident Stefan Güntensperger im Vorwort zum Kongressprogramm. «Humor gewinnt» sei die Herausforderung, einem breiten Fachpublikum und der interessierten Öffentlichkeit den direkten Einfluss von Humor und Lachen auf die emotionale, mentale und körperliche Gesundheit aufzuzeigen und erfahrbar zu machen. Und so stehen neben den Veranstaltungen für die Fachleute auch Humor-Events für die Bevölkerung auf dem Programm. «Zwei Jahre lang haben wir diesen Anlass vorbereitet», sagte OK-Mitglied Peter Hain vor dem Vorspiel zum Humorkongress. Der Anlass finde nun tatsächlich statt, auch wenn die intensive Vorbereitungsarbeit nicht immer zum Lachen gewesen sei.


© Mittelland Zeitung; 25.09.2006 Tabloid Zurzach

2. Tag

«Humor ist eine Geisteshaltung»

Bad Zurzach
Geballte Fachkompetenz und jede Menge Lachanfälle am dreitägigen Humorkongress Michael Bamberger


Dass man mit einer gesunden Portion Humor leichter durchs Leben kommt, dem wird wohl niemand widersprechen. Ob in der Partnerschaft, im beruflichen Alltag oder in der Freizeit - in vielen Situationen sind Humor und die damit verbundenen positiven Attribute wie Gelassenheit oder Lebensfreude von unschätzbarem Wert. Daran erkennt man, dass mit «Humor» weit mehr gemeint ist, als nur kurzfristig mit einem Witz gute Laune zu verbreiten: «Humor ist eine Geisteshaltung», so Psychologin Noni Höfner. Am Kongress in Bad Zurzach, organisiert von der RehaClinic, stand die professionelle Anwendung von Humor im sozialen, pädagogischen und klinisch-therapeutischen Bereich im Vordergrund. Mit Podiumsgesprächen, Workshops und Referaten von international renommierten Fachleuten wurde den Teilnehmern aufgezeigt, welche Chancen der Einbezug von Humor mit sich bringen kann. Selbstverständlich durfte trotz allem wissenschaftlichen Ernst an den drei Kongresstagen viel gelacht werden, und zwar nicht nur während der künstlerischen Darbietungen. Die gut gelaunten Referenten vermittelten ihre Theorien auf unterhaltende und anschauliche Weise und nahmen sich auch gerne einmal selbst auf die Schippe.

Lachen als Provokation
Ein Beispiel für die Anwendung des Humors in der Therapie ist die Kommunikationsform des «provokativen Stils». Noni Höfner, welche als Therapeutin den provokativen Stil selber praktiziert, führte die Zuhörer in die Mechanismen dieser Behandlungsform ein. «Es geht darum, das Weltbild des Klienten liebevoll zu karikieren, indem man ihn mit Humor provoziert und sich gemeinsam mit ihm über seine Schwächen amüsiert.» Typische Situationen gebe es in der Paartherapie, etwa wenn die Frau sich über ihren Mann auslässt: «Dann pflichte ich ihr bei und mache von mir aus ihren Mann noch schlechter. Irgendwann wird sich in der Frau dann Widerstand regen und sie wird sagen, dass ich übertreibe und ihr Mann so schlecht jetzt aber auch wieder nicht sei. Das ist dann der Punkt, an dem es aufwärts geht.» Dies sei der wesentliche Vorteil des provokativen Stils: «Man kommt äusserst schnell an die Emotionen des Klienten heran. Dies ist wichtig, denn man muss emotional geladen sein, will man etwas nachhaltig einsehen; schnallt man es nur mit dem Grosshirn, reicht das in der Regel nicht.»

Situationen entschärfen
In der Sozialpädagogik, in der Schule und speziell im Gesundheitswesen ist der richtige Einsatz von Humor oftmals eine heikle Angelegenheit. War der Humor früher in den Spitälern noch verpönt, so hält er heute immer mehr Einzug. Pflegewissenschafterin Iren Bischofberger weiss, dass das Pflegepersonal mit dem geschickten Einsatz von Humor manche Situation entschärfen kann - jedoch mit dem nötigen Feingefühl: «Die Pflegefachperson muss herausfinden, wie viel und welche Form von Humor für sie selbst und für den Patienten stimmt.» Auch in der Palliativmedizin könne mit Humor gearbeitet werden: «Oftmals fällt den schwer kranken Patienten der Humor leichter als ihren Angehörigen. Diese sind sich nämlich oft nicht bewusst, dass man nicht nur im Ernst, sondern auch im Humor trauern kann.» In der Lachschule von Christoph Emmelmann ging es äusserst heiter zu und her. Anhand von praktischen Übungen weihte der ausgebildete Lach-Yoga-Therapeut die Kongressbesucher in verschiedene Lachtechniken ein. Sich gegenseitig ins Fäustchen lachen, nur mit lachenden Lauten eine Geschichte erzählen, kichern und gackern wie ein Huhn - nach einer halben Stunde dürfte auch der letzte Miesepeter seine Lachmuskeln wieder entdeckt haben. Emmelmann: «Intensives Lachen erfrischt, hält gesund und stimmt uns positiv. Kinder lachen automatisch, wir Erwachsenen müssen das manchmal wieder neu lernen.»


© Mittelland Zeitung; 26.09.2006 Tabloid Zurzach

3. Tag

Mehr als bloss ein Witz

Bad Zurzach
Illustre Gesprächsrunde zum Thema «Humor gewinnt»
Michael Bamberger

Am Humorkongress in Bad Zurzach bildete eine Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Teilnehmern den Höhepunkt des dritten Tages. Dabei wurde das Phänomen «Humor» von verschiedenen Seiten her beleuchtet und die heilsame Wirkung des Lachens deutlich unterstrichen. Um der komplexen Thematik gerecht zu werden, liessen sich die Organisatoren bei der Zusammensetzung des sonntäglichen Podiums nicht lumpen. Neben Philosophin Annemarie Pieper und Psychotherapeut Michael Titze komplettierten Schriftsteller Klaus Merz sowie Clown Dimitri die illustre Runde. Ordensschwester Ingrid Grave fungierte als Gesprächsleiterin. Es entwickelte sich eine muntere und für die Zuhörer gut verständliche Diskussion.

Nicht nur Lustig
Dass man mit Humor allein nicht durchs Leben kommt, darin waren sich die Gesprächsteilnehmer einig: «Humor und Ernst gehören zusammen. Denn ohne Ernst bräuchten wir keinen Humor und dann gäbe es ihn auch nicht», meinte Annemarie Pieper. Michael Titze ergänzte: «Neben den heiteren Aspekten des Lebens muss man auch seine melancholischen Seiten akzeptieren. Auch sie gehören dazu.» Ähnliches könne man im Komikergeschäft beobachten: «Ein Komiker, der wie eine Maschine im Sekundentakt Witze von sich gibt, findet man irgendwann auch nicht mehr lustig, weil es zu künstlich wirkt», so die Meinung von Klaus Merz. Ein guter Clown beispielsweise müsse mehr Facetten verkörpern als ständig nur lustig sein, wie Dimitri bestätigte: «Es verhält sich ähnlich wie mit der Musik - ein Musikstück ohne Pausen wäre schrecklich.» Wie genau definiert man denn nun «Humor»? Gemäss Annemarie Pieper ist der Humor eine Lebenseinstellung, «die mich langfristig begleiten soll und mehr ist als bloss ein Witz. Humor muss man sich immer wieder neu erarbeiten.» Das Wesen des Humors habe viel mit Inkongruenzen zu tun, so die Ansicht von Michael Titze: «Wenn man zwei Welten zusammenbringt, die eigentlich nicht zusammengehören, entsteht Humor. Es geht also um Kontraste - die meisten Witze funktionieren auf diese Weise.»

«Freude am Blamieren»
Eine bedeutende Komponente des Humors stellt die Selbstironie dar, ein wichtiges Instrument auch in der Therapie. Psychotherapeut Titze: «Oftmals rührt eine psychische Erkrankung daher, dass der Patient ein perfekter Mensch sein will. Der Therapeut muss ihm dann die Angst vor der eigenen Unvollkommenheit nehmen, was mit dem Aneignen einer gesunden Portion Selbstironie am besten funktioniert.» Dies gelte aber nicht nur für kranke Leute, sondern generell lohne es sich, wenn man sich die «Freude am Blamieren» aneigne: «Wird man beispielsweise beleidigt und gibt dem Angreifer mit einem selbstironischen Spruch auch noch Recht, nimmt ihm das sofort den Wind aus den Segeln.» Klaus Merz entgegnete jedoch, dass es in so einem Fall mit Humor allein nicht getan sei: «Mit dem Spruch zeigt man sich zwar überlegen und schlagfertig, der innere Schmerz - ausgelöst durch die Beleidigung - bleibt aber zurück. Zudem läuft man Gefahr, dass die Sprüche irgendwann ihre Wirkung verlieren und man nicht ernst genommen wird.» Ähnlich äusserte sich Annemarie Pieper: «Mit lockeren Sprüchen ändert man womöglich nicht die grundsätzliche Einstellung, die ein Mensch gegenüber einem hat.» Michael Titze ist aber überzeugt, dass Humor dabei zumindest eine Hilfestellung bietet: «Studien belegen, dass durch gemeinsames Lachen zwischenmenschliche Brücken aufgebaut werden. Und es ist klar, dass man Selbstironie punktuell einsetzen muss; wenn man konstant ironisch ist, verliert es die Wirkung.» Wer noch kein Meister der Selbstironie ist, dem sei tröstend noch gesagt: «Sich selbst auf den Arm nehmen, ist bekanntlich die schwierigste Turnübung.»