Aus den Medien


 HumorCare-Mitglieder in den Medien

Humor und Gesundheit:
«Der Applaus ist in den Augen»
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coop-Zeitung, Nr. 52/2010

Ob Humor gesund macht, lässt sich bis jetzt nicht nachweisen. Aber er tut gut. Das spüren Gesunde und Kranke. Zum Beispiel, wenn Clownin Aurikla Demenzkranke unterhält.


Die Schwester - Der Pfleger,
Jahrg. 49 /09.2010

Therapeutischer Humor:
«Humor ist bis ins hohe Lebensalter vorhanden»
(Interview mit Beat Hänni)

Ein humorvoller Umgang kann helfen, schwierige Situationen leichter zu bewältigen. Dies gilt auch für alte und kranke Menschen. Wir sprachen mit Beat Hänni, Präsident der HumorCare in der Schweiz, über die Ressource Humor und wie sich diese wirkungsvoll in Gesundheitseinrichtungen einsetzen lässt.

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Pello im MigrosMagazin vom September 2010: Artikel ansehen


Artikel über HumorCare CH im Neubad-Magazin:
Download: Diagnose - Der Humor ist gutartig.pdf


«HumorCare Schweiz Mitglieder forschen:
Willi Ruch, Heidi Stolz und Sandra Rusch, unsere Lach- und Humorforscherteam an der Uni Zürich bei der Arbeit».
Hier der Link zum Film (mp4)


Artikel als PDFs:
NZZ, Stadt Zürich: Lachen ist auch Medizin (18.2.2009)
DER SPIEGEL: Die Macht der Pointe / Hirschhausen (08.02.2009)
NZZ am Sonntag: Humor kann man lernen (14.12.2008)
Uni-Zürich: Das Lachen wieder lernen (15.12.2008)

Die zwei Gesichter eines Clowns
Der Zirkus Primavista ist auch ein sozialpsychiatrisches Projekt

Lachen als Lebenserfahrung. Als Pompom (rechts) fand Zsolt Todt aus der Depression.

BaZ, 28. April 2009

Von DANIEL AENISHÄNSLIN

Noch heute und morgen ist Clown Pompom auf der Bühne des Zirkus Primavista in Arlesheim zu sehen. Er ist ein ungewöhnlicher Clown in einem ungewöhnlichen Zirkus. Und er hat in ein Leben zurückgefunden, das er schon verlassen wollte.

«Die Reaktionen auf unsere Arbeit sind sehr gut», sagt der 50-jährige Zsolt Todt aus Basel. Als Clown Pompom verbreitet er im Zirkus Primavista gute Stimmung. Nichts Selbstverständliches für ihn. Todt war schwer depressiv, «suizidgefährdet», fügt er an. Die Rolle des Pompom ist für ihn Therapie. Zsolt Todt stiess vergangenes Jahr zum Ensemble. «Auf Anraten meiner Psychotherapeutin.» Primavista ist ein regionales Zirkusprojekt, das von psychiatrieerfahrenen Menschen wie Todt realisiert wird. Ihnen zur Seite stehen professionelle Künstler und Artisten. Initiiert wurde es von Psychotherapeut Friedrich Kaiser. «Ich habe hier eine gewisse psychische Stabilität gefunden», sagt Todt, «es geht mir heute sicher besser.»

OHNE GRENZEN. «Humor kennt keine Grenzen - oder doch?», heisst das fünfte Programm des Zirkus Primavista. Für einmal ist das Ensemble nicht im Zirkuswagen von Dorfplatz zu Dorfplatz unterwegs. Am Samstag und Sonntag füllte es das Zelt des Zirkus Robiano in Arlesheim, genauer: In den Widen, mit seinem Programm der poetischen Zwischentöne. Auch heute und morgen stehen Auftritte an.

Todt möchte auch nächstes Jahr auf die Primavista-Bühne. Als Clown natürlich. Noch dieses Jahr wird er einen Clownkurs für Fortgeschrittene belegen. «Der Clown ist lustig», sagt er, «er ist ein Gegensatz zu meiner Person, den ich nicht mehr missen möchte.»

Seine Nummern hat er gemeinsam mit dem Liestaler Puppenspieler Michael Huber erarbeitet. «Wir haben beide unsere Ideen eingebracht, er zudem sein grosses Fachwissen», blickt Todt auf «die intensive Probezeit» zurück. Dreimal steht er auf der Bühne. In der Pause unterhält er das Publikum bei Bratwurst und Mineralwasser vor dem Zelt.

FÜR DIE SEELE. Mit einem Budget von 50 000 Franken muss das «sozialpsychiatrische Freizeitprojekt mit Humor, Magie und Zauberei» über die Runden kommen. Die Zahlen zeigen, dass auch die professionellen Künstler und Artisten nicht mehr als Spesen ausbezahlt erhalten. Kein Problem für die Clownin Monica Hary. Ihre Gage für diese «Herzensangelegenheit» sei die «Nahrung für die Seele», die sie hier erhalte.

Zsolt Todt, der tagsüber in einer geschützten Werkstatt sein Brot verdient, gerät ins Schwärmen: «Hier ist man nie allein. Das Ensemble ist zusammengewachsen.» Darin sieht er den Schlüssel zum Erfolg. Dass sein Zirkus Primavista nicht die Perfektion eines Circus Knie erreicht, sei sogar gut: «Bei uns ist alles ganz nah am Menschen, nicht so distanziert.»

Die Zirkusauftritte bei Primavista sind zu einem Highlight im Leben von Zsolt Todt geworden. «Zu einem innerlichen Highlight», wie der Clown präzisiert. «Die Auftritte erfüllen einen sehr wichtigen therapeutischen Zweck, der nicht zu unterschätzen ist». Vielleicht gerade, «weil es Freude macht, anderen Freude zu bereiten».

www.zirkus-primavista.ch

Diakoniewerk Bethanien, Hauszeitung 3/2008

Clown Willi

Wer ist denn das? Was soll der hier? Ist das nicht eher etwas für Kinder? Das sind alles Fragen, die aufkamen, als Clown Willi zum ersten Mal in bunten Kleidern, mit freundlichen, aufmunternden Spässen durch die verschiedenen Etagen und Zimmer ging. Er verteilte Blumen und schenkte vielen Bewohnern und Diakonissen ein strahlendes Lächeln. Nicht jeder mochte mit ihm scherzen, mit seiner Lebensfreude mitgehen. Aber reagieren mussten alle, so wie er aussah, mit dem gelben Hemd, den grünen Hosen und der roten Nase. Die roten Hosenträger und die aufgenähten Häkelblumen fanden besonderes Interesse. Wer ist Clown Willi? Sein richtiger Name ist Jörg Fidorra. Er arbeitet seit zwei Jahren in der Schweiz als Betreuer FH in einem Heim mit dementen Menschen. Davor hatte er zweieinhalb Jahre die Theater-Clownschule in Hamburg besucht. Dort entstand langsam Clown Willi. Was ist sein Auftrag bei uns? Die Bewohnenden und die Diakonissen haben eine nachhaltige Abwechslung im Alltag. Sie sollen wach und einmal auf andere Weise aktiviert werden. Nähe und Distanz werden durch den Clown anders gelebt. Eine andere Art der Begegnung soll geschaffen werden. Sei es mit ihm oder untereinander. Die Sinne sind explizit angesprochen. er verschenkt fröhliche Momente usw. Ist das nicht etwas für Kinder? Jedes Gesicht, ob alt oder jung, wirkt mit einem Lächeln doch einfach glücklicher. Und was kann Lebensqualität besser unterstützen als das Erleben von möglichst vielen freudigen Momenten? Will, wir freuen uns ...! Iris Bütler


CURAVIVA: Schwerpunkt Humor
in der März-Ausgabe ...


«Curaviva», Fachzeitschrift des Verbandes Heime und Institutionen Schweiz, widmet die März 2009-Ausgabe dem therapeutischen und pflegerischen Humor und leistet dabei ein tollen Beitrag, unsere Humorarbeit einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Wir empfehlen allen Interessierten, dieses Heft zu erstehen (über www.fachzeitschrift.curaviva.ch).
In Interviews und Berichten werden praktische Humoranwendungen beschrieben. Selbstredend kommen Mitglieder von HumorCare Schweiz zu Wort, mit lebendiger Beschreibung ihrer praktischen Humorarbeit: Peter Hain, Bettina Schaubli, Ursula Jucker, Beat Hänni, Monica Hary, Ueli Lerch, Rosemarie Krüttli, Heidi Stolz und Sandra Rusch. Auch der uns gutgesinnte Heimarzt Jean-Luc Moreau äussert sich ausführlich über Humor mit Demenzkranken.
Wir danken der Redaktion von «Curaviva», den therapeutischen Humor mit all seinen vielfältigen Anwendungen zum Thema gemacht zu haben.


Schwerpunkt Humor
Die März-Ausgabe der Fachzeitschrift Curaviva ist dem Schwer-
punktthema Humor gewidmet.


Pflegebedürftigkeit und Gebrechlichkeit im Alter, Behinderung, Krankheit, Demenz, Tod: Was soll daran lustig sein? Auf den ersten Blick nichts. Und doch interessieren sich zunehmend Heime und Institutionen für die mutmasslich gesundheitsfördernde Kraft des Lachens. Es gibt immer mehr Tagungen und Kurse, die Zahl der Humoranbieter wächst. Das Thema boomt regelrecht im Gesundheits- und Sozialbereich. Doch wie wirkt Humor in Pflege und Betreuung genau? Welche Erfahrungen machen Institutionen, die sich ein Humorkonzept gegeben haben? Wie arbeiten Heim-Clowninnen? Was sagt die Wissenschaft? Und wie kann Humor zur Stressbewältigung eingesetzt werden? Antworten gibts in der März-Ausgabe.

Ausserdem sind unter anderem Beiträge über die umstrittene Umsetzung der Pflegefinanzierung, über die neuartige Sozialraumorientierung in der familienergänzenden und -unterstützenden Erziehungshilfe sowie über einen blinden Fotografen zu lesen.

Die März-Ausgabe der Fachzeitschrift Curaviva kann zum Preis von 15 Franken bestellt werden bei:

CURAVIVA Schweiz
Redaktion Fachzeitschrift
Zieglerstrasse 53
Postfach 1003
3000 Bern 14
Telefon 031 385 33 33
Fax 031 385 33 34
info@curaviva.ch


NZZ, Stadt Zürich, 18.2.2009 · Artikel als PDF

Lachen ist auch Medizin.
Ein Besuch in der «Humor-Werkstatt» an der Zürcher Universitätsklinik für Alterspsychiatrie

Wer an Depressionen leidet, hat oft nichts mehr zu lachen. Dass sich dies ändern kann, zeigt ein Pilotprojekt der Universitätsklinik für Alterspsychiatrie auf eindrucksvolle Weise. Die «Humor-Werkstatt» verhilft Patienten mit Altersdepression zu mehr Lebensqualität.


Beat Hänni sucht in der Runde nach der Ressource Humor, die er bei allen vorhanden weiss. (Foto: Adrian Baer)

vn. Eine Depression ist nicht leicht zu erkennen. Sie kann sich in Schlafstörungen, Verdauungsproblemen oder Rückenschmerzen äussern. Als Altersbeschwerde verkannt, wird sie oft mit den falschen Mitteln bekämpft. Das kann fatale Folgen haben: Die Behandlung des Patienten reduziert sich auf Symptombekämpfung, die dem Kernproblem nicht beikommt. Altere Menschen sind doppelt so oft von Depressionen betroffen wie jüngere. Die Mehrheit unter ihnen leidet an reaktiven Depressionen, die als Folge von einschneidenden Veränderungen der Lebensumstände auftreten: etwa nach dem Tod des Partners oder im Zuge der Pensionierung.


«Trockener Humor? Da fehlt der Wein!»

Bis die Diagnose gestellt wird, vergeht viel Zeit und oft auch der Lebensmut des Patienten. Um diesen wiederherzustellen, steht der Medizin eine breite Palette an Psychopharmaka zur Verfügung. Dass aber auch unkonventionelle Methoden helfen können, zeigt ein Pilotprojekt der Klinik für Alterspsychiatrie (KAP) an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Ein Team um Egemen Savaskan, leitender Arzt an der KAP, lancierte 2007 die «Humor-Werkstatt». Anders, als es die Bezeichnung implizieren könnte, setzt die Therapieart weder auf Clownerie noch auf forciertes Gelächter. Eine lockere Diskussion soll bei den Patienten zutage fördern, was ihre Krankheit verschüttete: den ureigenen Sinn für Humor.

Eine Seniorin sitzt mit freudlosem Blick in ihrem Sessel. Ihr Tischnachbar attestiert ihr einen trockenen Humor. «Was ist trockener Humor?» fragt sie grimmig. «Da fehlt der Wein!» Die Frau muss ein bisschen kichern. Der komische Berner schaffte es schon einmal, ihr ein Lächeln abzuringen. Ihn, den Berner, nennen sie «Till Heiter». Unter diesem Pseudonym moderiert Beat Hänni humoristische Veranstaltungen in Altersheimen und gerontopsychiatrischen Kliniken. Das Gerontopsychiatrische Zentrum Hegibach der Klinik für Alterspsychiatrie besucht er alle zwei Wochen. Heute haben sich sechs Personen für die Humor-Werkstatt angemeldet: es sind stationäre Depressionspatienten, welche die Akutphase der Krankheit überwunden haben. In der Vorstellungsrunde machen sich die Ausprägungen diverser Krankheitsstadien bemerkbar: Ein Mann mag kaum über sich berichten, während sein redseliges Gegenüber in die Hände klatscht und sich das Haar glattstreicht - «um in der Presse gut dazustehen».


Verbindung mit biografischen Eckdaten

«Till Heiter» weist die Gruppe zu einer Konzentrationsübung an; alle klopfen in gleichmässigem Takt auf den Tisch. Dann folgen einfache Rätsel. Jemand imitiert etwa, wie ein Poulet gegessen wird, und die Gruppe muss es erraten. Solche Spielereien, sagt Hänni, erleichterten den Einstieg in die Diskussion. Darin knüpft Hänni an biografische Eckdaten der Patienten an. Welches Lieblingsgericht hatten sie als Kind? «Landjäger mit Bürli», erinnert sich einer. Sie habe gar vom Nashorn gekostet, sagt die Frau in den Neunzigern, die ihre Kindheit im ehemaligen Rhodesien verbracht hatte. Der aufgestellte Senior im Trainer berichtet lieber ausführlich von seinen Reisen auf den Schwarzen Kontinent. Zum Thema «Traumberuf» wird rege diskutiert. Der Mann aus Bümpliz hatte 47 Jahre lang als Pöstler gearbeitet. Der Drucker, der eigentlich Pilot werden wollte, vermisst bei den Jungen solche Loyalität zur «Bude». Wer seinen Redefluss kaum stoppen kann, den zügelt Hänni gelegentlich sanft, und er ermutigt zu sprechen, wem die Worte fehlen.

«Waren Sie ein fleissiger Schüler?» - «Nein, mein Interesse galt den Meitschis.» Jetzt muss die Seniorin lachen, die vorhin noch alle argwöhnisch beobachtet hatte. Das sei wohl ein stiller Gigolo, der in der Ecke, ein richtiger «Heimlifeiss».

Neue Methode, alte Erkenntnisse

«In der Humor-Werkstatt», sagt Beat Hänni, «stehen die Leiden der Patienten nicht im Vordergrund.» Die Leute befinden sich in einer Lage, die ohnehin ungünstig ist - darum konfrontiert Hänni sie mit positiven Erlebnissen aus ihrer eigenen Biografie. Der energische Mann mit dem festen Händedruck ist überzeugt, dass jeder Mensch über die Ressource Humor verfügt: «Wir machen uns auf die Suche danach.» Ziel seiner Übung ist es nicht, den Patienten in schenkelklopfendes Gejohle zu versetzen. Eine sich aufhellende Miene oder ein leises Kichern sind kleine, aber ermutigende Erfolge: Patienten verlieren im Gespräch plötzlich ihre Hemmungen, bemerken das Interesse ihres Gegenübers oder lassen sich vom Lächeln des Tischnachbarn anstecken. Hänni strebt in der Gruppe eine «gelassene Heiterkeit» an; Witze sind erlaubt, aber nicht notwendig.

«Der Einsatz von Humor als therapeutische Massnahme ist relativ neu», sagt Egemen Savaskan, «nicht aber die Erkenntnis, dass Lachen die Immunkräfte stärken und psychischen Stress abbauen kann.» Studien, welche die KAP gemeinsam mit der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel durchgeführt hat, zeigen, dass Depressionspatienten nach begleitender Humor-Therapie eine leicht höhere Lebensqualität aufweisen als
solche, die nur Medikamente bekamen. Die Humor-Werkstatt, welche die KAP zusammen mit anderen alternativen Therapieformen anbietet, soll den Patienten helfen, ihre krankheitsbedingt eingeengte Wahrnehmung zu erweitern. Depressive können die Mimik ihrer Mitmenschen nicht mehr richtig deuten und lesen meist nur das «Schlechte» heraus. Durch die Interaktion mit den Werkstatt-Teilnehmern, sagt Savaskan, könne der Patient seine Stärken und Schwächen ermitteln. Feedback schafft Orientierung. Die Betroffenen entdecken verlorene Fähigkeiten wieder - und gewinnen manchmal tröstliche Einsichten: Als der muntere Senior im Trainer «Till Heiter» zum Abschluss die Hand drückt, sagt er lächelnd: «Humor ist, wenn man trotzdem lacht.»

Beat Hänni, «Humor-Arbeiter»
vn. Beat Hänni wurde 1940 geboren und ist studierter Ökonom. Nach langen Berufsjahren in den Kaderstufen international tätiger Konzerne ging er 1998 in Frühpension. Seither hat Hänni diverse Konzepte für Humor als therapeutischen Ansatz in der psychiatrischen Behandlung von betagten Patienten entwickelt. In der Deutschschweiz moderiert er als «Till Heiter» HumorWorkshops in Altersheimen und gerontopsychiatrischen Zentren. Er ist Präsident von «HumorCare», einer Schweizer Gesellschaft zur Implementierung von Humor in Therapie, Beratung und Pflege. Hänni gibt sein Wissen als Referent und Kursleiter weiter.

Informationen: www.tillheiter.ch und www.humorcare.ch



Zwei unterschiedliche Ansätze in der Humorarbeit mit betagten Menschen:

1. Surprise No. 175, 2008: Porträt Humorarbeiter Till Heiter
2. DasMagazin, 14.06.2008: Porträt Spitalclownin Bettina Schaubli


Heiter altern

Beat Hänni ist Humorarbeiter. Der ehemalige Pharmamanager engagiert sich für die wissenschaftliche Anwendung des Humors und bringt alte Damen und Herren im Altersheim zum Kichern.

VON MICHELE FALLER (TEXT) UND DOMINIK PLUSS (BILD) · surprise

«Lautes Lachen ist nicht mein Ziel.» Der selbsternannte «Humorarbeiter» Beat Hänni sitzt entspannt zurückgelehnt in seinem «Humorzimmer» und betont, dass er mit roten Clownnasen nichts am Hut habe, sehr selten Witze erzähle und sich generell nicht als Unterhalter verstehe. Vielmehr grabe er den Humor aus, «füregusle, wie wir Berner sagen».


Das Humorzimmer in seinem Haus in Bottmingen (BL) sieht auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Büro aus. Doch Buchtitel wie «The Psychology of Humor» oder «Die heilende Kraft des Lachens», bunte Bälle, die vom Regal grinsen und fies lachen, wenn sie zu Boden fallen, sowie ein kleiner hölzerner Clown, der an der Zimmerdecke Kunststücke vollführt, deuten darauf hin, dass sich hier jemand ernsthaft mit den lustigen Seiten des Lebens beschäftigt. In seinem Arbeitszimmer bereitet sich Beat Hänni auf die Humorwerkstätten vor, die er in Altersheimen und in der psychiatrischen Geriatrie moderiert.

Der gesundheitsfördernde Humor sei vom Unterhaltungshumor abzugrenzen und baue statt auf Lacher auf eine gelassene Heiterkeit, erklärt Hänni. «Mein Ziel ist ein Lächeln, ein Schmunzeln oder auch nur ein Funkeln in die Augen der Menschen zu bringen.» Hänni strahlt ziemlich genau die soeben beschriebene Gelassenheit aus. Mit grosser Ernsthaftigkeit erzählt er von Humor und Witz. Fernab davon, den Komiker markieren zu wollen. «Sie können ja meine Frau nachher schnell fragen, wie es so um meinen Humor bestellt ist», sagt er. War das jetzt ernst gemeint? Ein diskretes Funkeln in den Augen behauptet das Gegenteil.

Der berufliche Werdegang des Humorarbeiters ist unkonventionell. Der heutige Vizepräsident der Stiftung für Humor und Gesundheit ist von Haus aus gelernter Ökonom und war lange Jahre als Kadermitglied in der Basler Pharmaindustrie tätig. Ist denn jeder Manager ein Humorist, oder hat gar das Gegenteil zur beruflichen Umorientierung geführt? «Der Humor hat mich Immer begleitet», stellt Hänni fest. Er hatte damals die Verantwortung für eine Abteilung und konnte mit Humor experimentieren. In Hännis Abteilung durfte also gelacht werden. Und wer ein lustiges Poster aufhängte oder Witze erzählte, geriet nicht in den Verdacht, die Arbeit nicht ernst genug zu nehmen.

Eine Beförderung habe man ihm damals mit der Begründung ausgeschlagen, er sei zu jugendlich - vielleicht wurde in seiner Umgebung doch zu viel gelacht. Hänni jedenfalls lächelt bei der Erinnerung über die ausgebliebene Beförderung wie über ein Kompliment. Der Wechsel von der Industrie zur Humorarbeit sei kein Bruch gewesen. Als sich vor zehn Jahren die Gelegenheit zur Frühpensionierung ergab, packte der damals 58-Jährige die Chance. «Das musste ich dann meinen Kindern verkaufen», erinnert er sich. «Nicht, dass du dann den ganzen Tag im Trainer rumhockst», habe es geheissen.

Die Sorgen der Familie blieben unbegründet. Ohne besonderes Ziel besuchte der frisch Pensionierte den alljährlich in Basel stattfindenden Humorkongress, wo ihn der Beitrag eines Geriatriepsychiaters, der von seiner Humorstation berichtete, sehr beeindruckt hat. Durch die Besuche bei seiner Schwiegermutter im Altersheim kam Hänni vor rund sieben Jahren zur Gewissheit: «Hier braucht es einen humorvollen Wind.» Er bat den Heimleiter, mit den alten Leuten Humorarbeit machen zu dürfen, und wagte den Sprung ins kalte Wasser. «Ich war überzeugt, dass es klappt», erzählt Hänni. «Ich habe einen guten Zugang zu älteren Leuten - sicherlich beeinflusst durch die Verehrung, die ich meinen Grossmüttern entgegengebracht hatte.»

Weniger überzeugt waren seine Frau und die beiden erwachsenen Kinder. «Gehts noch?», war die Reaktion seiner Tochter. Doch die Humorstunde hat sofort eingeschlagen und ein Arzt der psychiatrischen Geriatrie konnte mit einer Studie nachweisen, dass sich das Wohlbefinden der Patienten dadurch verbesserte. «Da begann man mich ernst zu nehmen», sagt Hänni stolz. Auch im privaten Umfeld. Hännis eigene Website www.tillheiter.ch, auf der er Kurse in Sachen Humor und Alter anbietet, hat sein Sohn gestaltet. Und mittlerweile feile die ganze Familie am Internetauftritt rum, berichtet der Familienvater grinsend.

Die Humorwerkstatt hat einen klaren Ablauf. Mit bunten Smiley-Bällen, einem Flipchart und dem Pseudonym «Till Heiter» ausgestattet, begibt sich Hänni an den grossen Tisch, wo sich die acht bis zehn Betagten versammelt haben. Das Auf- oder Einheitern soll alle Teilnehmenden so schnell wie möglich auf das gleiche Heiterkeitsniveau bringen: Till Heiter schickt nacheinander allen den Smiley-Ball zu, mit der Aufforderung, ein Tier zu imitieren. Hänni berichtet vom Tierstimmengewirr, das innert kürzester Zeit von Kichern abgelöst werde. Dann erzählen die alten Menschen Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend. Was war am ersten Schultag? Wie viel Sackgeld haben sie gekriegt? Und was haben sie damit gekauft? «Ich frage, wühle und grabe, und schaue, dass das Gespräch immer läuft», erklärt Hänni. So merkten zum Beispiel zwei Frauen, die schon Jahre im selben Altersheim wohnen, dass sie als Kinder in der gleichen Bäckerei ihr Taschengeld ausgegeben hatten - und gingen nach der Humorwerkstatt zusammen Kaffee trinken. «Das ist eines der wichtigsten Ziele», freut sich Hänni, «die oft isolierten Leute sollen wieder miteinander reden.»

Auch mit dem Negativtabu alt sein räumt Till Heiter auf. Dreist fragt er alle, wie alt sie sind, addiert die Jahre vorne auf dem Flipchart und kommt oft auf fast 1000 Jahre. «All die Lebensjahre, all die Weisheit und all die Heiterkeit, sage ich etwa. Und dann habe ich sie in der Tasche!» Die Augen des Humorarbeiters leuchten.

Natürlich seien Menschen im Vorteil, die in einem heiteren Umfeld aufgewachsen sind. So wie Hänni: Seine Mutter sei eine selbstbewusste Berlinerin gewesen, die selbst den Polizisten und den strengen Vater aufzog, und der Bruder sei einer, den nichts so leicht aus der Ruhe bringe - «ä Gmüetsmore», wie der Berner sagt.

Humorlose Zeitgenossen kennt Hänni nicht. «Jeder hat Humor», sagt er bestimmt und lässt dann den Blick durchs Zimmer schweifen. «Die einen lachen laut, die anderen tragen bunt geringelte Socken. Und wieder andere müssen noch etwas an ihrem Humor arbeiten.»


DAS MAGAZIN, 14.06.2008

EIN TAG IM LEBEN

BETTINA STAUBLI, 45, ist Clownin im Pflegeheim. Für die Bewohner ist sie mehr als nur eine Spassmacherin.

Von Marc Mair-Noack

Diesmal ist niemand gestorben. Keiner fehlt seit meinem letzten Besuch im Pflegeheim. Bevor ich meine Arbeit beginne, informiert mich der Pflegedienstleiter über den Zustand der Bewohner. Frau Reiner sei gut drauf, Frau Walder habe eine leichte Streifung. Keine weiteren Zwischenfälle diesmal, zum Glück.

Mein Beruf ist Spitalclownin.

Bild: Philipp Rohner · mail@philipprohner.ch

Im Alterszentrum Kehl in Baden bin ich ein regelmässiger Gast, zusammen mit meiner Kollegin Ursula Jucker. Wenn ich mir die Nase rot anmale, bin ich Berta. Ursula heisst nun Frieda.

Es ist still im 2. Stock, einige Bewohner sitzen am Tisch im Korridor, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt. Nicht jeder mag uns hier mit unseren Scherzen, mit unserer Lebensfreude. Aber reagieren müssen alle, so wie wir aussehen: mit den bunten Socken, den zu grossen Kleidern und den Plastikspatzen im Haar. Frieda klebt den Bewohnern und der Pflegerin herzförmige Post-it-Zettel an die Brust. Ich jongliere mit Mandarinen - ein Hauch von Manege im 2. Stock.

Warum ich im Pflegeheim arbeite und nicht im Kinderspital, wie viele andere Clowns? Kleine Kinder haben oft Angst vor Clowns, da bin ich sehr vorsichtig. Die Arbeit mit älteren Menschen ist mir aber vertraut. Früher war ich Aktivierungstherapeutin, und da versuchte ich bereits, die Patienten aus der Reserve zu locken, ihre Fähigkeiten zu fordern oder mindestens zu erhalten. Wir lachten viel in den Therapien, doch ich wollte das Gelächter aus den Zimmern bringen, in die Abteilungen, auch zum Personal und zu den Besuchern. Also sattelte ich mit 40 Jahren um und wurde Clownin. Dank zwei Jahren Clown-Akademie Tamala in Deutschland und der Clownwerkstatt beim Schweizer Clown Ueli Bichsel.

Ich klopfe an Zimmer 29 und trete ein. Hier lebt Elisabeth Kerner, 99 Jahre. Schlagermusik tönt aus dem Radio, sie sitzt aufrecht in ihrem Stuhl und trommelt aufgeregt mit den Fingern an die Lehne, als sie mich sieht. «Wenn ich das gewusst hätte, ich hätte dir so gern etwas angeboten», sagt sie. Ich setze mich zu ihr.

Für einmal ist sie nicht Patientin, sondern Gastgeberin. Wie draussen, in der normalen Welt, wie früher. Und als Clownin bringe ich diese Welt mit in ihr Zimmer, wie es keine Pflegerin kann. Ich frage nach ihrem Sohn, nach den alten Geschichten, nach Basel, wo Elisabeth herkommt, und sie gerät ins Erzählen, ins Lachen, redet von den alten Tagen und von dem einen Tag in fünf Monaten, wenn sie ihren 100. Geburtstag feiern wird. Auf die Beschwerden, auf das Altsein gehe ich nicht ein, wenn sie es nicht von sich aus tut, denn für einmal steht das Gesunde im Mittelpunkt.

Alle zwei Wochen bin ich hier in Baden, daneben aber auch in anderen Heimen unterwegs. Insgesamt drei Tage pro Woche arbeite ich als Clownin. Daneben pflege ich meine Mutter, zusammen mit meinem Vater und meiner Schwester. Meine Mutter ist dement.

Ich treffe Frieda im 1. Stock. Eine Patientin sucht gerade ihr Zimmer. Sie drückt die Klinke von Nummer 13 hinunter, als eine andere Bewohnerin dazukommt. «Frau Baumann, das ist nicht ihr Zimmer», sagt diese, «das ist meins.» Frau Baumann sieht sie irritiert an und geht langsam ein Zimmer weiter. Die andere Bewohnerin schaut ihr streng hinterher, ihre Augen funkeln. Sie mögen sich nicht, die Dementen und die geistig Gesunden hier im Heim. Wer gesund ist, sieht nicht gern, was noch aus ihm werden könnte. Als die beiden uns bemerken, entspannen sich ihre Gesichter. «Frau Baumann, schauen Sie mal, was mir heute passiert ist!», sage ich ernst, und zeige an mir herab. «Beim Anziehen hatte ich es wohl zu pressant. Da muss ich was verwechselt haben.» Ich zupfe an der Hose, die eigentlich ein Pullover ist. Die Beine stecken in den Ärmeln. «Ganz schön blöd, nicht wahr?», frage ich. Frau Baumann stutzt, ihre Hand an der nächsten Türklinke. So etwas würde nicht einmal ihr passieren. Für einmal gehört sie nicht zu den Dummen hier. Und das tut gut. Diesmal bin ich es, die Clownin, über die man den Kopf schüttelt, über die man lacht oder die man streng anfunkelt.

Über die wirklich Schwachen lacht aber keiner, denn diese kommen nicht mehr aus ihren Zimmern heraus.

So wie Anne Reinhardt in Zimmer 18. Sie liegt auf der Seite und beobachtet uns, als wir hereinkommen. Ich nehme ihre Hand, sie zittert leicht. Frieda beginnt den Hebel ihrer kleinen Spieldose zu drehen. Wir summen die leise Melodie mit. Die Augen von Anne Reinhardt beginnen zu leuchten. Sie drückt fester zu.

Je grösser das Vertrauen zwischen uns und den Bewohnern wird, desto näher können wir uns kommen. Einige lassen sich umarmen, manchmal lege ich mich auch kurz mit ins Bett. Würde die Pflegerin so etwas tun, gälte dies als Übergriff. Doch als Clownin darf ich das, solange es die Bewohner zulassen: diese Nähe, das Händehalten, die Umarmung.

Nach fünf Stunden verlassen wir die Abteilung für heute. Während ich mich abschminke, bleibt mir Zeit zum Träumen. Es gibt noch einen anderen Ort, an dem ich einmal arbeiten möchte: Zusammen mit anderen Clowns will ich mein Gelächter auch in eine Grossbank bringen. Die hätten uns genauso nötig, da bin ich mir sicher.

(Die Namen der Patienten wurden geändert.)

Das Buch zur Rubrik: «Ein Tag im Leben von - Porträts aus zwanzig Jahren», Salis-Verlag www.salisverlag.com
Text: marc.mn@gmx.ch