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Gedanken eines Clowns zum Sein und Humor von Dementen

Von Stephan Klein
Bad Krozingen, 20.02.2011
Diese Gedanken sind zunächst aus den Erfahrungen des Clowns mit dementen Menschen entstanden, hinzu kommt noch eine philosophisch - therapeutische Sichtweise. Die Sichtweisen mischen sich. Ich wage es nicht allgemeingültige Statements über den Humor von Dementen zu machen, dazu bräuchte es wohl noch weitere Jahre an Erfahrung im Seniorenheim. Eine Annäherung an den status quo.
Was macht es aus, dass sich Demente und Clowns gegenseitig anziehen? Ganz sicher hat es mit der Zentrierung auf den Augenblick, auf das Jetzt zu tun. Für beide ist es die einzig existente Zeit. Keine Vergangenheit, oder nur Spuren davon, keine Zukunft.
In der Ausbildung zum Clown haben wir darüber nachgedacht, was das Komische ausmacht. Was macht eine Person komisch, egal, ob sie auf der Bühne oder im Leben steht? Oft ist das innigst Eigene, eine Eigenart, die im Spiel gepflegt und übertrieben wird, die im Beobachter Heiterkeit auslöst und berührt.
Diese Eigenart oder dieser Eigensinn im nicht kognitiven Sinne ist auch bei vielen Dementen zu sehen. Sie wollen nichts mehr beweisen, haben, anders ausgedrückt, ihr Ego abgelegt und entwickeln sich wieder hin zu Originalen, die sie einst als Kind gewesen sind.
Zwischen diesen 2 Lebensstufen haben wir alle besonders in der westlichen Gesellschaft mit der sog. Normopathie zu tun. Das ist die Krankheit, die uns unser Leben zu großen Teilen nach den Normen und Erwartungen anderer leben lässt. Das sogenannte Eigene rückt in den Hintergrund, bzw. wird durch das Erfüllen-Wollen von fremden Erwartungen und Normen verschüttet. Auch die eigenen Erwartungen werden oft durch die fremden Normen dominiert, bzw. determiniert. So verlieren wir unsere Originalität.
Da dieser Vorgang nur funktioniert, wenn bestimmte Hirnareale und damit unsere kognitiven Fähigkeiten intakt sind, kann, aber muss nicht der Verlust des Kognitiven mit dem Gewinn von Originalität und Humor einhergehen. Wenn der Clown manchmal in das Gesicht eines Dementen schaut und es kommt zum Kontakt, ist das Gesicht schon komisch, ohne dass die demente Person irgendetwas macht. Wir haben gelernt - Der gute Clown zeigt sich in seinem So-Sein und macht immer weniger. Er hat es schlicht nicht nötig, zu agieren, um komisch zu wirken. Demente und gute Clowns lassen sich nichts Komisches einfallen, sondern gemeinsam fällt ihnen das Komische auf. So liegt ein Teil des Mysteriums der Komik in der Wahrnehmung - Wahrnehmung des alltäglichen Lebens mitsamt den Reibereien, die es uns bereitet. Wir können die Frage in den Raum stellen, wie verändert sich die Wahrnehmung und damit auch der Humor des Dementen. Der mit wachsender Demenz immer feinmaschigere Filter der Wahrnehmung scheint noch die richtigen Zutaten zum Humor durchzulassen, die eher kontraproduktiv zum Humor wirkenden Bestandteile dagegen herauszufiltern. Eine Demente und ein Clown treffen sich auf einer kindlichen, unschuldigen Ebene, auf der das Spiel, das spielerische Aneignen der Welt geprobt wird. Das innere Kind ist beiden aus unterschiedlichen Gründen präsenter und greifbarer, als den meisten anderen Erwachsenen, die aus dem Spiel herausgewachsen sind. Der Clown lernt in seiner hoffentlich fundierten Ausbildung im Ringen um Authentizität mit seinem inneren Kind wieder mehr verbunden zu sein. Die Demente ist aufgrund des Verlustes des Kurzzeitgedächtnis und zumindest fragmentarisch erhaltenen Langzeitgedächtnis oft nahe an ihrer Kindheit. Wenn z.B. durch das Medium Musik, welches sich weitestgehend dem Vergessen entzieht, ein Zugang zu einem frühen Lebensstadium erreicht wird, entstehen berührende Momente, die besonders im clownesken Kontakt gegenseitig vermittelt werden können. Der Mensch ist erst Mensch, wenn er spielt, sagte Schiller. Auf dem Spielfeld können Clown und Demente durch das Spiel zum Traumpaar werden, indem sie einen kurzen Augenblick das Glück miteinander teilen.
Aller Humor fängt damit an, die eigene Person nicht ganz so ernst und wichtig zu nehmen, sagte Hermann Hesse.
Dieses Hesse-Zitat ist wohl das Fundament einer Humorentwicklung. Aber Vorsicht! Während es ein dementer Mensch aufgrund seiner somatischen Veränderungen im Gehirn mit dieser Voraussetzung für den Humor nicht so schwer hat - oft gibt es für ihn nichts zu erreichen, nichts darzustellen, kein «um zu» - ist es für uns als Clown und «gesunder Mensch» eine große Herausforderung, diese Hürde zu nehmen. Es fällt uns leicht, wenn es uns gut geht, wir uns in den Augenblick entspannen können. Aber was ist, wenn der Spaß aufhört, wie z.B. in einem Konflikt? Bleibt dann die Grundhaltung eines inneren Lächelns erhalten? Können wir im Streit die rote Nase in unserer Hosentasche berühren und uns damit erinnern, uns nicht zu wichtig zu nehmen, statt zu kämpfen, uns zu behaupten, Recht haben wollen??? Du kannst entweder Recht haben, oder Kontakt - besagt ein alter Zen-Spruch. Diese Erinnerung bleibt für die meisten von uns eine lebenslange Aufgabe. Wir können versuchen, dabei von anderen zu lernen, auch von Dementen.
Während ich die Zeilen selbst lese, sehe ich die Gefahr einer Verallgemeinerung des Krankheitsbildes Demenz. Mir ist bewusst, dass Demente auch ganz anders, sogar konträr zu dem oben Beschriebenen erscheinen können.

Zum Abschluss meiner Gedanken möchte ich noch 3 Fragen in den Raum stellen, die mich bewegen:
  1. Könnten wir in einem oder anderen Fall Demenz als Erlösung von der Normopathie verstehen, jener präkeren Neigung, unser Leben zu großen Teilen nach den Normen der anderen zu leben, statt auf unsere eigene, innere Stimme und damit unserem Wesenskern zu lauschen???
  2. Wir haben uns ein Leben lang angepasst. Könnte es nicht ein Krankheitsgewinn sein, dass sich nun die Welt der dement gewordenen Person anpassen muss?
  3. Ist hier das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen?

Humor und Lachen verbindet uns mit den Anderen und mit uns selbst, mit der Welt und dem Mysterium, das größer ist als wir selbst.

Stephan Klein
Psychotherapie, Familienaufstellungen, Clownerie
Im Gegenberg 24, D-79189 Bad Krozingen
tel. 07633 9239050, mobil 0176-500 91 202
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RUHE-Stand - keep cool

Von: www.korkenzieher-hfo.org
Man hat ihm gesagt, dass alles besser wird, wenn er dann einmal im Ruhestand ist. Kein Müssen, keine Verpflichtungen, kein Zwang mehr.

Nun ist der Tag gekommen - er ist jetzt in diesem Verein, in diesem luftleeren Raum. Er ist bei der vollkommenen Freiheit angekommen. Künftig wird er nur noch das tun, was ihm Freude bereitet. Er kann jetzt wählen, was er tut. Er kann auch nichts tun.

Selbstverständlich wissen auch all seine Freunde und Bekannten, dass er jetzt im Ruhestand ist - in der Phase der totalen Selbstverwirklichung.

Heute ist Montag - bis anhin ein Arbeitstag, ab heute ein Freitag vor vielen weiteren Freitagen. Das Telefon klingelt. Es ist Kurt. Kurt trifft sich regelmässig mit Kollegen zum Kartenspiel. Doch gerade heute ist einer ausgefallen. Kurt fragt ihn, ob er denn nicht einspringen will. Er sagt zu, wollte er doch schon lange wieder einmal Karten spielen - und an einem Montag macht das natürlich noch viel mehr Spass.

Der Kartenspiel-Nachmittag macht Freude - die Mitspieler sind Noldi, Max und Franz. Eine gute Gruppe. Noldi hat allerdings ein kleines Problem. Er muss unbedingt seinen Garten in Ordnung bringen und kann im Moment nichts Schweres heben - die Bandscheibe! Noldi fragt ihn um Hilfe, weil er ihn sympathisch findet. Er sagt zu - er hat ja Zeit - sie treffen sich am Mittwochmorgen.

Abends kommt er sehr zufrieden nach Hause und erzählt seiner Frau vom schönen Nachmittag und dem Termin von Mittwoch. Sie findet das nicht so super - sie hat nämlich geplant, am Mittwochmorgen mit ihm zum Einkauf nach Zürich zu fahren. Er hat aber noch so viele Termine frei in seiner Agenda, dass dieses Problem im Nu gelöst ist. Der Einkauf findet am Donnerstag statt.

Für morgen, Dienstag, nehmen sie sich vor, die Wohnung in Schuss zu bringen. Sie schlafen aus, setzen sich um neun Uhr im Pyjama an den Frühstückstisch, geniessen das Gefühl, Zeit zu haben und trinken diesmal sogar einen Kaffee mehr. Danach geht's in die Dusche. Es ist bereits elf Uhr. Sie wollen beginnen. Die Klingel läutet. André, der Nachbar - André hat gesehen, dass er zuhause ist - ist in Not. Sein Lavabo-Ablauf ist verstopft und André hat zwei linke Hände. Er, handwerklich begabt und sehr praktisch denkend, geht sofort mit André und bringt die Sache in Ordnung. Mit einem Apéro besiegeln die beiden Männer diesen Erfolg. Er kommt zu seiner Frau zurück - es ist bereits halb ein Uhr. Es lohnt sich jetzt nicht mehr, mit dem Putz zu beginnen. Jetzt ist es Zeit, das Mittagessen zu richten. Es gibt leichte und gesunde Kost - die beiden rüsten, dünsten, richten an. Endlich um halb zwei Uhr setzen sie sich an den Tisch und geniessen es, Zeit zum Essen zu haben. Danach gibt's einen guten Kaffee und einen Blick in die Zeitung. Um drei Uhr wollen sie sich nun endlich an den Putzjob machen. Das Telefon klingelt. Es ist Regine, die Tochter. Sie braucht sofort einen Babysitter. Die Kinder stehen eigentlich bereits vor der Tür. Der Opa und die Oma spielen dann mit Anita und Marc. Um sechs Uhr holt die Tochter ihre Kinder wieder ab. Nach Adam Riese ist es jetzt Zeit für das Abendessen - man will ja auch mal fertig sein. Schliesslich läuft um 20.00 Uhr der Krimi.

Damit seine Frau den Abend auch geniessen kann, legen sie zusammen den Termin für den Wohnungsputz neu fest, auf Freitagmorgen.

Heute ist Mittwoch. Er steht auf, duscht, nimmt rasch das Frühstück ein. Wo bleibt das Gefühl, Zeit zu haben? Er spurtet zu Noldi, um den Garten in Ordnung zu bringen. Auch er mag nicht mehr so recht. Die Arbeiten dauern nicht nur bis Mittag, sie dauern bis zum Abend. Vollständig abgespannt kommt er zuhause an. Das Nachtessen wird trotz der grossen Freiheit eher in einer gespannten Atmosphäre eingenommen. Die Frau - sie hat sich sehr auf den Ruhestand ihres Gatten und die Ruhe gefreut - fühlt sich langsam aber sicher etwas vernachlässigt.

Heute, Donnerstag, kommt seine Frau aber zum Zug - heute geht's zum Einkauf. Das Telefon klingelt. Es ist Ilse, die Schwester der Frau, seine Schwägerin. Sie möchte ihm die Langeweile etwas unterbrechen und meldet sich zu einem Spontanbesuch an. Heute Nachmittag um zwei Uhr. Er ist sehr erfreut - zumal glaubt er das - er muss es ja auch sein, er hat ja keinen Grund, es nicht zu sein. Er hat ja Zeit. Weder der Einkauf noch der Wohnungsputz ist erledigt. Die Wohnung sieht etwas nach grosser Freiheit aus. Nicht ganz einfach, die neue Situation. Man macht Schadensbegrenzung. Die Beiden fahren ins Dorf, kaufen dort das Nötigste ein und bringen danach die Wohnung oberflächlich auf Vordermann. Der Besuch ist nett - nur will er nicht mehr aufhören. Die gute Ilse erzählt, erteilt Ratschläge, macht Vorschläge für Kurse und Weiterbildung. Ihr Mann Manfred erzählt vom Eisenbahnmodellclub, sie erzählt vom Spanischkurs. Im Nu sind die Termine klar, wann diese Treffen und Lektionen stattfinden.

In der Agenda sind bis auf weiteres die Montagabende und die Donnerstagnachmittage belegt. Hoffentlich ruft die Kartenspielergruppe nicht an, dann wäre ja auch der Montagnachmittag vergeben.

Heute ist Freitag - Putztag. Die Wohnung sieht jetzt aber oberflächlich gut aus - Ilse war ja da. Also wird das Reinigen gestrichen. Die Beiden erholen sich bei einem guten Frühstück von den letzten Tagen. Ganz in Ruhe schauen sie die Post durch. Unter den ganzen Briefen ist auch eine Werbesendung der Pro Senectute mit dem Kursprogramm. Ihm wird langsam klar, dass er eigentlich seine Termine per EDV verwalten müsste. Da entdeckt er im Kursprogramm einen Computerkurs für Anfänger. Na, jeder fängt klein an. Er entschliesst sich nach einer kurzen Rücksprache mit seiner Gattin, diesen Kurs zu belegen.

Bis auf weiteres sind auch die Freitagnachmittage belegt.

Es ist Samstag - Wochenende. Nicht mehr wichtig, wenn man in Ruhestand ist. Irrtum. Jetzt hat er Zeit, über seine ruhige Zeit nachzudenken. Sie sitzen beide am Frühstückstisch. Die Agenda liegt auch auf dem Tisch. Seine Frau schaut ihn an. Er bestreicht ungeschickt sein Brötchen. Er schaut auf, schaut zu ihr hin. Sie schaut ihn wieder an. Ihr Gesicht verzieht sich, Seine Lippen beginnen zu zittern. Ihre Augen werden schmal, der Schalk zieht in ihren Blick ein. Und da macht es plupp und beide fallen in ein befreiendes herzhaftes Lachen. Die Ironie der Sprache. Ruhestand? Eigentlich war es ja viel ruhiger, als er täglich acht Stunden an der Arbeit war und abends wohlverdient seine Müdigkeit spürte.

Ruhig ist der Ruhestand auf keinen Fall. Jetzt hat er endlich Zeit - Zeit, auf Anregungen und Ideen zu reagieren. Er muss nicht agieren, er kann sich vom Zufall leiten lassen. Ein Geschenk des Himmels, es eröffnet unglaubliche Möglichkeiten. Der neue Status ist sehr anstrengend und gleichzeitig herrlich belebend.

Eines ist allerdings ein Muss - sie müssen beide «keep cool» und dabei ihren Humor bewahren.

Korkenzieher Heidi Oetiker
27. November 2006

Der Fluss des Lebens

Von: www.korkenzieher-hfo.org

Kaum sind wir auf der Welt, sind wir damit beschäftigt, grösser zu werden, zu wachsen. Wir tun alles, um die nötige Nahrung möglichst schnell zu erhalten.
Sind wir dann mal ein Dreikäsehoch sind wir fast ausschliesslich damit beschäftigt, älter zu werden. Wir eilen unseren älteren Geschwister oder Spielkameraden nach.
Sind wir dann in der Schule, sind wir damit beschäftigt, möglichst zu den Besten zu gehören. Wir lernen und lernen oder schummeln und schummeln, damit wir gute Noten haben, damit wir weiter kommen.
Kommen wir dann in die Pubertät, sind wir damit beschäftigt, möglichst bald einen geeigneten Partner zu finden.
Haben wir einen festen Partner, sind wir damit beschäftigt, die schönste Wohnung zu finden, das schönste Hochzeitsfest zu feiern.
Ist unser Privatleben organisiert, sind wir damit beschäftigt, möglichst in kurzer Zeit die steilste Karriere zu machen.
Sind wir auf der Karriereleiter bereits etwas vorwärts gekommen, sind wir damit beschäftigt, den Kollegen nachzueifern und ebenfalls Kinder zu bekommen.
Sind die Kinder da, sind wir damit beschäftigt, diese möglichst optimal zu fördern.
Haben wir dann alles, sind wir ausschliesslich damit beschäftigt, unsere Ehe, unsere Karriere, unsere Familie am Leben zu erhalten.
Haben wir das im Griff, sind wir mit der Angst davor beschäftigt, dass wir vergesslich werden könnten, dass wir vielleicht so werden wie unsere Eltern.
Ist das ein Leben?

Warum machen wir es nicht wie Nadja?
Nadja ist gerade auf die Welt gekommen. Sie fühlt sich wie in einem Schiffchen auf einem Fluss.
Ein seltsames Gefühl. Sie spürt einen leichten Luftzug – das kannte sie bis anhin nicht. Sie hat ein Hungergefühl – auch das ist neu für sie. Sie meldet sich kurz mit einem Schreien. Dann hört sie hin, was sich in ihrer Umgebung tut. Die Mami bereitet sich vor, ihr Milch zu geben. Weil sich Nadja Zeit nimmt, hinzuhören und ihr Schiffchen auf dem Fluss treiben zu lassen, muss sie nicht weiter schreien. Sie hört, dass sich etwas tut, und spürt, dass sie versorgt wird.
Auf ihrem Schiffchen, das den Fluss hinab treibt, nimmt Nadja immer bewusster andere Kinder wahr. Sie versucht nicht, so wie sie zu werden, sondern ganz einfach hinzuschauen, hinzuhören. Durch dieses Hinschauen und Hinhören widerfährt ihr so viel, dass sie ohne Kraft selbst ein solches Kind geworden ist.
Nun fährt ihr Schiffchen zum Schulhaus. Nadja steigt aus, einfach um hinzuhören und hinzuschauen. Sie erfährt so viele Dinge, so viele Zusammenhänge, dass sie richtig glücklich ist.
Nadja ist nun ein attraktives Mädchen und ihr Schiffchen fährt auf ihrem Lebensfluss an vielen netten jungen Leuten vorbei. Sie schaut hin, sie hört hin und wenn ihr Herz es ihr sagt, dann hält sie inne. So begegnet ihr die erste Liebe.
In ihrem Schiffchen fährt nun schon längere Zeit ihre Liebe mit. Jetzt lässt sich Nadja besonders viel Zeit. Sie hört hin, sie schaut hin. So lernt sie ihr Gegenüber zu verstehen und zu spüren. Irgendwann sagt beider Herz, dass sie sich trauen lassen möchten.
Das Schiffchen von Nadja führt auch durch die Berufswelt. Nadja hält hier und dort inne, um hinzuschauen und hinzuhören. Sie geniesst es, neue Dinge zu erfahren, sie geniesst es, längst Erlerntes anzuwenden.
Im privaten Schiffchen ist nach und nach ein kleines Plätzchen frei geworden. Nadja hat dieses kleine Plätzchen wahrgenommen, weil sie sich Zeit genommen hat, hinzuhören und hinzuschauen.
Nun sind sie im Schiffchen von Nadja drei. Alle geniessen es, zusammen zu sein, den anderen wahrzunehmen, hinzuschauen und hinzuhören. Das Kind von Nadja entwickelt sich prächtig, das Kleine ist aufgeschlossen, neugierig und fähig, Gefühle zu entwickeln und auszuleben und herzlich zu lachen.
Im Schiffchen von Nadja besteht ein gutes Gleichgewicht zwischen Privat und Beruf. Dadurch, dass alle immer hingeschaut und hingehört haben, ist die Basis stabil. Sie müssen nicht hier und da mit starken Balken unterstützen, sie müssen nicht plötzlich verstaubte Zimmer ausmisten. Sie können sich Zeit nehmen, weiter hinzuhören und hinzuschauen und zusammen älter zu werden.
Nadjas Eltern sind jetzt betagt. Alles wird schwieriger für sie, die Mutter leidet an Demenz. Das Schiffchen von Nadja fährt auch ohne Probleme diese Station an. Nadja und ihre Familie nehmen sich Zeit, auch hier hinzuschauen und hinzuhören. Sie entdecken, dass der Vater lustig und beschwingt wird, wenn er spürt, dass er so sein darf wie er ist – alt, etwas schwerfälliger, doch auch um Einiges weiser als junge Leute. Sie entdecken, dass es für die Mutter ohne Bedeutung ist, dass sie alles vergisst und ihre Gedanken nicht ordnen kann. Sie entdecken, dass ihre Mutter glücklich und voll Humor ist, wenn sie spürt, dass sie weiterhin als der Mensch akzeptiert wird, der sie ist. Das Gehirn vergisst, wenn es krank ist, das Herz behält jede Erinnerung, wenn es gesund ist. Gesund ist das Herz dann, wenn es Mitmenschen gibt, die sich Zeit nehmen, hinzuhören und hinzuschauen.
Auf ihrem Lebensfluss hat Nadja so viele Erfahrungen, so viel Wissen, so viele schöne und heitere Momente und so viele Gefühle in ihr Schiffchen packen können, dass sie keine Angst hat vor der Zukunft. Sie weiss, ihr Herz vergisst nie.
Das ist das Leben!
Korkenzieher
www.korkenzieher-hfo.org